Nils Frommhold

Clearly Nils

Nils Frommhold

Nils Frommhold ist deutscher Meister und einer der besten Triathlon Athleten der Welt. 2015 gewann er die prestigeträchtige Challenge Roth in einer Zeit von 7:58:21 Stunden.

Als Kind bist du durch die Seepferdchenprüfung gefallen. Wie wird man dann zu einem der besten Triathlonprofis weltweit?

Gute Frage. So einfach kann man das natürlich nicht beantworten, jedoch darf man sich gerade im Leistungssport nicht von Rückschritten ausbremsen lassen. Das Leben eines Profisportlers ist quasi eine Art Achterbahnfahrt mit hoffentlich mehr Höhen als Tiefen. Da darf man sich selbst von einer vergeigten „Seepferdchenprüfung" nicht aufhalten lassen.

Man muss wieder aufstehen und es das nächste Mal besser machen. So läuft das bei mir Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr. Wichtig ist natürlich auch Triathlon mit einer gewissen Lockerheit anzugehen und niemals den Spaß an Wettkämpfen zu verlieren.

Nils Frommhold beim Schwimmen.

Welche Eigenschaften sind, neben einer gehörigen Portion Leidensfähigkeit, besonders gefragt, wenn man professioneller Triathlet werden will?

Das Gute am Triathlon ist, dass man sich im täglichen Training mit dem eigenen Körper auseinander setzen muss und an die eigenen Grenzen stößt. Trotzdem merkt man schnell, dass sich diese Grenzen recht zügig verschieben lassen. Der erste Schritt ist dabei natürlich deutlich einfacher als der letzte, aber diese Suche nach Perfektion fasziniert mich.

Drei Disziplinen zusammenzubringen ist eine „Never Ending Story“ und benötigt daher viel Trainingszeit. Dabei ist es im Training hilfreich seinen eigenen Weg zu finden, um das individuelle Leistungspotential zu perfektionieren.

Nils Frommhold beim Radfahren.

2015 konntest du deinen bislang größten Erfolg feiern: Sieg bei der legendären DATEV Challenge Roth und Deutscher Meister auf der Langdistanz. Kommt jetzt der Sieg auf Hawaii oder was hast du dir für 2016 vorgenommen?

Klar, träume ich davon in den nächsten Jahren auf Hawaii ganz oben zu stehen. Das gibt mir auch die nötige Motivation mich täglich zu quälen. Bisher haben sich meine Ergebnisse auf der Langdistanz Jahr für Jahr verbessert und ich traue mir auf Hawaii so einiges zu. Noch fehlt mir der letzte Schritt dazu und Hawaii ist wegen der schwierigen Bedingungen und der Konkurrenz etwas ganz besonderes.

Um dort zu gewinnen muss einfach alles passen. Daher ist es schwierig zu sagen, wie es dieses Jahr ausgeht. Mein Ziel ist es auf jeden Fall im Oktober meine Saisonbestleistung zu zeigen. Welche Platzierung das bedeutet sehen wir dann.

Der Ironman Hawaii gilt als einer der anspruchsvollsten Ausdauerwettkämpfe weltweit. Wie bereitest du dich auf eine derart extreme Belastung vor?

Ich probiere die Bedingungen vor Ort so gut wie möglich im Training zu simulieren. In den letzten beiden Jahren habe ich vorab ein Trainingslager in den USA absolviert, in dem ähnlich warme und schwüle Bedingungen herrschten. Das passte bei mir ganz gut und half mir, mich schnell und gut an die Bedingungen auf Hawaii anzupassen. Auch der Zeitunterschied von 12 Stunden zu Deutschland spielt eine wichtige Rolle. Da muss man früh anreisen. Im Training probiere ich möglichst wenig zu experimentieren und mache inhaltlich das Gleiche wie vor einer normalen Langdistanz.

Dabei gilt für mich der Grundsatz bis 6 Stunden Wettkampfdauer kann man alles annähernd trainieren. Der Rest zeigt sich erst im Wettkampf anhand der Tagesform. Beispielsweise fahre ich 4,5 Stunden Rad immer im Wechsel 30 Minuten „Race Pace“ und 15 Minuten locker. Direkt im Anschluss folgt ein Koppellauf über 20 km in der geplanten Renngeschwindigkeit.

Nils wird zum Sieg mit Bier überschüttet.

Eine körperliche Topform ist jedoch nicht alles. Welche Rolle spiel das richtige Material – vor allem beim Bike?

Das stimmt und an dieser perfekten Lösung arbeite ich akribisch. Immer auf der Suche den Vorteil auf der eigenen Seite zu haben. Dabei bietet das Zeitfahrrad viele Möglichkeiten. Gerade im letzten Jahr durfte ich zusammen mit meinen Partnern Canyon und Reynolds viel Zeit im Windkanal verbringen, um gemeinsam an der aerodynamisch optimalen Lösung der Einheit aus Fahrer und Fahrrad zu testen. Der Fortschritt war immens und in Zukunft wird es immer wichtiger ein gutes Gesamtpaket aus Aerodynamik und Funktionalität zu haben. Die Konkurrenz schläft ja nicht.

Für die Saison 2015 haben wir ein ergonomisch optimiertes Cockpit entwickelt. Welche Vorteile bringt das?

Wer 180 km Fahrrad fährt und im Anschluss einen Marathon läuft, der braucht ein Cockpit, welches sich individuell auf die eigenen Bedürfnisse einstellen lässt. Komfort ist dabei ein wichtiges Stichwort. Da darf das "Lenkerband" auch bei feuchten und klebrigen Händen nicht rutschen und ein perfektes Zusammenspiel zwischen Hand und Lenker bieten. Gerade das neuartige „Gummi ähnliche“ Material, dass sich direkt an den Lenker anpasst, bietet diese Vorteile. Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen auf einem Zeitfahrrad mit herkömmlichem Lenkerband zu fahren.

Das speziell angefertigte Ergon Cockpit.